Balkenbrand - der aktuelle Krimi von Hans-Peter Boer
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Interview mit Hans-Peter Boer

24. August 2006

Herr Boer, zu Beginn eine Frage für unsere überregionalen Leser. Woher kommt Ihr Bezug zum Münsterland, und was machte diese Region als Handlungsort für Ihren Krimi „Stoppelland" so interessant?

Ich bin 1949 in einem münsterländischen Dorf geboren, hier aufgewachsen, ich lebe und arbeite hier. Die Kultur, Geschichte und Volkskunde dieser Region zu erforschen ist mein Hobby. Aber einen Krimi muss man meiner Meinung nach nicht nur geographisch verorten, sondern vor allem in der Mentalität der Menschen. Ich glaube, dass ich insgesamt Land und Leute kenne – und ein wenig sogar verstehe. Jede Landschaft verdient und verträgt Literatur; Westfalen insgesamt und das Münsterland für sich sind doch mehr als nur touristisch interessant.

Wie sind Sie zum Genre Krimi gekommen und wie entsteht eine Idee für einen Kriminalfall?

Ich gehöre zu den Menschen, die „die Tinte nicht halten können“! Ich schreibe gerne und hatte für den Landwirtschaftsverlag schon vor 20 Jahren mal ein erzählendes Buch gemacht. Das Team in Hiltrup hatte im letzten Jahr eine Krimireihe in Planung genommen und suchte einen Autor: Und da sagte dann jemand: „Fragen wir doch den Boer!" Und wenn ein tolles Team Angebote macht, die man nicht ablehnen kann, geht man freudig drauf ein. Die Ideen? Die besten Geschichten schreibt das Leben. Ich könnte Ihnen für fast jede Situation in „Stoppelland“ eine reale Situation oder Erfahrung nennen!

Wie gestaltet sich Ihr allgemeiner Alltag als Autor? Üben Sie noch einen anderen Beruf aus?

Schreiben ist Lust und Last! Letzteres dann, wenn man Termine im Nacken hat. Meine Geschichten sortiere ich beim Wandern und Walken im Wald. Ich schreibe immer erst die Struktur eines Textes, Gliederung und Inhaltsangabe; das ist für mich die Hauptarbeit. Und diese ist wie das Schreiben der Endfassung selbst Teil meiner Freizeit. Meine eigentliche Arbeitszeit verbringe ich zur Hälfte als Lehrer an einem Gymnasium, zur anderen Hälfte an einem Schreibtisch des Landes NRW; ich darf mithelfen, westfälische Kulturpolitik erfolgreich umzusetzen. Und beides macht enorm viel Spaß.

Wie genießen Sie dann noch Ihre restliche Freizeit?

Ich gehe sehr gerne ins Theater oder ins Konzert, ich verreise gerne, vor allem nach Italien und nach England. Der Barock und seine Bauten faszinieren mich immer wieder. Ich stecke meine Nase immer wieder in Bibliotheken und Archive; ich schreibe. Ich bin dankbar für einen großen Freundeskreis interessanter und mir wertvoller Menschen, die mein Leben in vielen Facetten erstaunlich bereichern. Ich darf in verschiedenen Vereinen und Verbänden, die sich der Erforschung und Pflege der westfälischen Kultur gewidmet haben, mitarbeiten. Es ist also genug zu tun.

Beim Landwirtschaftsverlag Münster-Hiltrup ist bereits ein zweiter Band mit dem Kommissar Klaus Kattenstroht geplant. Können Sie uns schon verraten, worum es voraussichtlich gehen wird?

„Stoppelland" beleuchtet ja im Kern Probleme unserer Bauernfamilien auf den großen Höfen. Unsere Zeit hat ihnen – wie der gesamten Landbevölkerung - einen rasanten sozialen Wandel gebracht; für viele Menschen ist der eher erschreckend. Im neuen Band, der unter dem Titel „Schwengelrecht" erscheinen soll, geht es um die Beziehungen von Nachbarn, z.B. von Alteingesessenen und Neubürgern; es geht um Beharrung und Tradition auf der einen Seite, um Fortschritt, Neuerungssucht und Respektlosigkeit auf der anderen Seite.
Die Struktur des Buches steht, in den nächsten Monaten wird die Geschichte aufgeschrieben.